Sigrid ist die Künstlerin, die ihren jungen Kreativen die Gewohnheiten abgewöhnen und etwas Neues zeigen will. Sie wehrt sich gegen die Bezeichnung „Theater“ für das, was sie mit uns machen möchte. Sie zieht „Performance“ vor. Aus irgendeinem Grund scheint der Mensch Choreographie mit Improvisation, Performance zu verwechseln. Doch die junge Frau geht die Sache geschickt an. Musik aus dem Film „Slumdog Millionär“ empfängt die Gruppe. Jeder bekommt einen Stift und nun ist die Aufgabe alles aufzuschreiben, was einem zu dieser Musik durch den Kopf geht. So manchem schießen da sinnlose, lustige und vor allem lange Wörter durch den Kopf. Bei einigen hat Sigrid Angst sie müsse eine ganze Papierfabrik engagieren, damit die Wörter auf Papier festgehalten werden können.
Martin begrüßt die Gruppe und den KV mit einem übertrieben lauten: „Guten Morgen!“
Einige der Anwesenden haben im ersten Moment den Gedanken: „Oh Gott, was is’ denn des für einer?!“
In jedem Fall ein Wirbelwind. Blondierte, halblange Strähnen auf der einen, kurze natur – brünette Haare auf der anderen Kopfhälfte. Kaum haben sich alle irgendwo niedergelassen, ist die Kamera schon bereit, das Studio besetzt. Ein Freiwilliger, eine Freiwillige pro Gruppe sitzt im Studio und ist sozusagen das „Opfer“. Welches Schauspielerische Qualitäten und vor allem Humor zeigen muss. Martin zeigt hier nicht nur seine wirbelnden Seiten sondern auch seinen eigenen Sinn für Humor, der nicht nur für die ältere Klasse bestimmt zu sein scheint. Leider gelingt es ihm mit dieser Vorstellung nicht, die Gruppe, wie er sagt, „klein zu halten“, im Gegenteil. Im Endeffekt wird es die größte der arbeitenden Gruppen.
Birgit Bachmann ist die Malerin im Hause. Sie führt uns in die Arbeit der Ölmalerei, des „Öldrucks“ mit solcher Leidenschaft ein, dass sie prompt einen nicht entfernbaren Fleck am T-Shirt ergattert. Nach einer kurzen Erläuterung der Farbtrocknungszeiten der Ölfarbe bietet sie an, den kreativen Neulingen die „große“ Stadt und ihre Werke in der Burg, in der ein echtes Gespenst aus Stoff haust, zu zeigen.
Am Ende dieses Tages entstehen drei Arbeitsgruppen:
Die der Maler mit neun Personen, die der Filmfreaks mit 14 Personen und die der Performanceleute mit acht vorerst halbwegs Begeisterten.
Die Musik ist für alle zur unverbindlichen Übung geworden. Nicht wenige sollten in den nächsten Tagen das Haus des Staunens mit musikalischen, schönen Klängen von „unmusikalischen“ Musikern belebten.
Das Abendessen um 19 Uhr kommt für alle sehr gelegen. Wie immer ist das Essen absolut genießbar und sehr üppig.
Die nächsten Tage sind von harter Arbeit der Maler, die sich erst mit der richtigen Künstlerkleidung, Farbe und Pinsel vertraut machen müssen, der angestrengten Suche der Filmfreaks nach einem geeigneten Drehbuch und den ersten Aufnahmen und der Suche nach Gegensätzen, Eindrücken und lustigen Szenen der performenden Köpfen geprägt. Ideen entwickeln sich durch Zufall und wer keine eigenen hat, klaut sie gekonnt „legal“ von anderen. Kaum einen interessiert, dass währenddessen in Wien die Lehrer und Schüler die Unterrichtsministerin bekriegen und eine sinnlose Diskussion um einen freien Tag mehr oder weniger entsteht.
Die ersten durchwachten Nächte kommen erst mit dem Mittwoch. Einige der Filmgruppen brauchen die Stille der Nacht, um ihre Szenen zu perfektionieren. Andere erfreuen sich in der Nacht an lustigen Spielen mit Süßigkeiten und Pokerspielen. Am Morgen ist jedoch kaum einer wirklich wach, mit ein paar lebhaften Ausnahmen und selbst wenn man noch so müde ist, man versucht es zu überspielen. JV Köhnlein bemerkt zur großen Überraschung, all jener, die ihn zu kennen glauben, dass er eigentlich kein Frühaufsteher ist. Andere müssen beinahe aus dem Bett gesungen werden, wie Foto –, und Filmunterstützer Schlager, dem hier an dieser Stelle ein schriftlicher Applaus für den schwierigsten Kameraschwenk (in Slow Motion) seit seiner Filmprüfung vor etlichen Jahren gewidmet werden soll:
Klatsch, klatsch! Bravo!

